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BürgerEnergiegenossenschaft
Laupheim eG
 

Die Erlöse steigen, der Profit schrumpft 


Bürgerenergie-Genossenschaft Laupheim produziert mehr Strom und fädelt den Generationswechsel in ihren Führungsgremien ein

  • Schwaebische Zeitung (Laupheim) - 19 Jul 2019 - Von Kai Schlichtermann
     

LAUPHEIM - Optimistisch blickt die Bürgerenergie-Genossenschaft Laupheim (BEG) ins kommende Jahr und hofft auf deutlich mehr Umsatzerlöse. Mit der einstimmigen Wahl von vier neuen Aufsichtsratsmitgliedern und der Ankündigung des amtierenden Vorstandsvorsitzenden Werner Puchta, sich bald aus der Führung der BEG zurückzuziehen, haben die Mitglieder bei der Generalversammlung am vergangenen Mittwochabend ein Zeichen für einen Generationswechsel gesetzt.

Zugleich steigen sowohl die Erträge als auch die Stromproduktion, seitdem die BEG ihre zweite Photovoltaik-Anlage im Juli 2018 auf einem Dach des Schulcampus in Laupheim installiert hat. Weitere Solar-Panels stehen seit 2013 auf dem Dach des Carl-LaemmleGymasiums. Nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden Werner Puchta war „2018 ein außerordentlich erfolgreiches Jahr, zumindest was die Technik betrifft“. Allerdings verzeichne die BEG höhere Betriebskosten. Die Gründungsgelder seien zudem aufgebraucht, weil die BEG sämtliche Projekte finanziell selbst geschultert habe. „Neue Vorhaben müssten mit Darlehen finanziert werden“, teilte Puchta mit. Zwar gebe es einen Jahresüberschuss von gut 1900 Euro, jedoch habe sich dieser im Vergleich zum Vorjahr mehr als halbiert. Deshalb verzichtete die Generalversammlung auf die Ausschüttung einer Dividende. Der Betriebsgewinn von etwa 1900 Euro bleibt im kommenden Geschäftsjahr in den Büchern der Genossenschaft und soll fortgeschrieben werden. Vorstandsmitglied Franz Kohler machte deutlich, dass eine höhere Dividendenausschüttung in den kommenden Jahren möglich sei, wenn die Profite aus 2018 und 2019 ins Jahr 2020 weitergerollt würden. 

Mehr Elektrizität, mehr Einnahmen
Gleichwohl seien die betrieblichen Aufwendungen „dramatisch“in die Höhe geschossen, teilte BEG-Vorstandsmitglied Klaus Heinrich mit: von rund 5000 Euro im Jahr 2017 auf gut 11 000 Euro im Jahr 2018. Hauptgrund dafür seien höhere Abschreibungen (9958 Euro), die unter anderem für die neue Photovoltaik-Panels auf dem Campus, Reinigungsarbeiten, erstmalige Pachtzahlungen und die Neuausrichtung der Module auf dem Dach des Gymnasiums aufgewandt wurden. Durch die technische Aufwertung habe sich die Effizienz dieser Anlage verbessert. 

Die Produktionsmenge hat sich daher von rund 66 Megawatt-Stunden pro Stunde (MW/h) im Jahr 2017 auf gut 82 MW/h ausgeweitet: Allein im ersten Halbjahr 2019 verzeichnete die BEG hier bereits gut 51 MW/h. Auch die neuen Solar-Module auf dem Campus haben 2019 bereits 59 MW/h Ökostrom geliefert. „Wir schätzen, dass wir die gesamte Stromerzeugung von 115 MW/h auf 196 MW/h in diesem Jahr hochschrauben können“, sagt Heinrich. Damit erwarte man Umsatzerlöse von etwa
24 000 Euro Ende dieses Jahres. 2017 waren es noch 17 503 Euro, ein Jahr später 22 584 Euro. 

Entscheidend sei nun, den Strom stärker selbst zu vermarkten, merkte Klaus Heinrich an. Die im Frühjahr 2019 gegründete lokale Vermarktungsplattform „BiberEnergie“soll die elektrische Energie direkt an Kunden aus der Region verkaufen. Damit verdiene die BEG einen Cent mehr pro Kilowattstunde als mit der Netzeinspeisung gemäß dem Tarif nach dem Erneuerbaren-EnergienGesetz. Die Plattform wurde mit vier weiteren BürgerenergieGenossenschaften gegründet (Attenweiler, Schemmerhofen, Riss, Bad Schussenried-Ingoldingen). Das Unternehmen Interconnector, eine Tochter der EnBW, organisiert den Vertrieb der Plattform; den Strom vom „BiberEnergie“beziehen bislang weniger als 100 Kunden im Landkreis Biberach. „BiberEnergie könnte 500 Haushalte versorgen, zumal unsere Preise durchaus konkurrenzfähig sind“, sagt Heinrich. 

Neue profilierte Köpfe im Aufsichtsrat
Mehr Kapazitäten für ein Umsatzplus und die Bemühungen um einen professionellen Absatz des Ökostroms waren offenbar einer der Gründe, warum die Generalversammlung den Vorstand und Aufsichtsrat einstimmig entlastete. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Hans Fleschhut, berichtete, der Genossenschaftsverband Baden-Württemberg habe den Prüfungsbericht der BEG für tadellos befunden. 

Am Mittwochabend wählte die Versammlung einstimmig neue, junge und profilierte Köpfe in den Aufsichtsrat: Fortan werden Christian Striebel, Geschäftsführer der Striebel GmbH, und Eva-Britta Wind, Erste Bürgermeisterin der Stadt Laupheim, Mitglieder in dem Gremium sein. Zudem wurden auch der Elektroingenieur Erich Neuhäuser und der gelernte Industriemeister Stefan Keller gewählt. Insbesondere die Wahl der Ersten Bürgermeisterin Eva-Britta Wind gilt als strategischer Schritt, um künftige Projekte Hand in Hand mit der Stadt Laupheim vorantreiben zu können. Auch wenn es derzeit zwei potenzielle Standorte für weitere Photovoltaik-Anlagen gebe, eine Freilandfläche in der Laupheimer Weihertalstraße und das Dach der Turnhalle in Bihlafingen, wolle die BEG nichts überstürzen, merkte Werner Puchta an.